Energiegeladen in den Ruhestand

38 Jahre kümmerte sich Karl Altvater um die Energieversorgung in der Region Gaildorf. Nun ist er im Ruhestand. Geprägt ist seine Zeit von reger Aktivität.

Ihre Karriere starteten Sie 1982 als Elektroinstallateurmeister bei der EVS. Fassen Sie uns die lange Zeit Ihres Einsatzes für die Energieversorgung in einem Satz zusammen?
Es war eine sehr schöne, lehrreiche Zeit, egal in welcher Situation. Wenn ich vielleicht doch noch ein, zwei Sätze hinzufügen darf: Es gab sehr turbulente Zeiten, gerade natürlich während der Bereitschaftsdienste. Aber ich wollte das immer – ich war praktisch dafür geboren.

Woher kam diese Leidenschaft fürs Elektrische?
Ich bin in der Landwirtschaft groß geworden und habe schnell festgestellt, dass das nicht mein Ding ist. Tiere haben mich noch nie interessiert. Immer war es die Technik, die eine große ­Faszination auf mich ausgeübt hat. Schon als kleines Kind bastelte ich an Fahrrädern herum, etwas später dann an Mopeds oder Motoren. Es war sehr früh klar, dass mein Weg in diese Richtung führen würde. Mit 24 war ich dann Elektroinstallateurmeister.

Sie sprachen von „turbulenten Zeiten“. Welche besonderen Ereignisse treten Ihnen da in Erinnerung?
Eine große Herausforderung waren die Ortssanierungen in den Neunzigerjahren, als wir für die Neu-Verkabelung von ganzen Baugebieten zuständig waren. Die spektakulärste Situation war wohl der Brand eines großen Trafos im Jahr 2011 in Unterrot. Das war am 27. Mai. Ich war damals der erste Mann vor Ort, dann rückte die Feuerwehr an. Wir mussten die Umspanner freischalten und kontrolliert abbrennen lassen. Aufregend war auch das kurzfristige Beheben von Sturmschäden, meistens durch Bäume, die in Freileitungen hineingestürzt waren. Schließlich stand und steht die EVG bis heute für eine zuverlässige Energieversorgung vor Ort.

Viele Jahre waren Sie nun als „Meister Netzentwicklung“ für die EVG/Netze BW tätig – praktisch immer unter Strom. Können Sie das denn: Ruhestand?
Sicher nicht im wörtlichen Sinne. Glücklicherweise gibt es ja noch meine Hobbys und sonstigen Verpflichtungen. In meinem Wohnort Gschwend bin ich als stellvertretender Bürgermeister tätig, da gibt es immer etwas zu tun. Ich bin es gewohnt, rund um die Uhr im Einsatz zu sein. Und wenn ich gebraucht werde, bin ich weiterhin 24 Stunden erreichbar. Ich bin energiegeladen wie eh und je.

Die Zeit zurückgedreht – was würden Sie anders machen?
Wahrscheinlich nichts. Im Nachhinein betrachtet hätte ich vielleicht Ingenieur werden können, aber dann hätte mir im Beruf der Kundenkontakt gefehlt. Ich bin mehr als zufrieden mit allem, so wie es ist und war, sowohl mit meinen Erfolgen als auch mit meinem konstanten Arbeitsumfeld.

Gibt es etwas, das Sie mit Stolz erfüllt? I
ch bin sehr stolz darauf, dass während meiner gesamten beruflichen Laufbahn weder einem Kunden noch mir irgendetwas zugestoßen ist. Strom kann ziemlich gefährlich sein. Ich hatte, meine ich, immer alles gut im Griff.

Ist es vorstellbar, dass der Strom auch ohne Ihr Zutun fließt?
Natürlich ist es das. Ich habe ja einen fähigen Nachfolger. Und wenn bei mir Rat gesucht wird, helfe ich jederzeit gerne. Ich habe eine Handynummer und bin nicht aus der Welt.

Auf dem Energiesektor stehen viele Veränderungen an. Verfolgen Sie, was da passiert?
Selbstverständlich. Batterietechnik, Abschalten der Kernkraft, Energiewende … Mich interessiert jeden Tag, wie hoch der CO2-Ausstoß an welchem Ort ist. Ich beobachte alles, und das wird auch so bleiben.

Ihr Lebensmotto?
Immer die gute Laune bewahren. Man muss morgens und abends lächeln und pfeifen können. Das hilft bei der Lösung vieler Probleme.